Pflege mit Höchstmaß an Einfühlungsvermögen

Gedenkfeier Hospiz

Christina Stemmermann

Termin 18.11.2014

Pflege mit Höchstmaß an Einfühlungsvermögen

Frechen (cs) Es ist ein trüber Novembertag wie eigentlich fast in jedem Jahr, wenn die alljährliche Gedenkfeier zu Ehren der Verstorbenen im St.-Katharinen-Hospiz Frechen stattfindet. Dass die ehrenamtlichen wie hauptberuflichen Mitarbeitenden des Hospizes dann immer ebenso berührt sind wie die Angehörigen der Verstorbenen, ist in der Kapelle des anliegenden St.-Katharinen-Hospitals auch diesmal wieder spürbar. Was allerdings manche noch nicht wissen: Der traurige Aspekt dieses Tages wird später noch eine Wende nehmen. Aber zunächst kommen die Menschen mit gemischten Gefühlen in die liebevoll geschmückte Hauskapelle, wo der katholische Pastoralreferent und Krankenhausseelsorger Martin Birkhäuser sowie der evangelische Kollege Matthias Heinen gemeinsam mit dem Kapellenchor auf die Gäste warten. Der Tod schert sich nicht um Konfessionsgrenzen. Und auch im katholischen Hospiz wird niemand wegen seiner Religionszugehörigkeit oder Herkunft abgewiesen.

Verlust macht verletzlich

Die Geistlichen haben es sich nicht leicht gemacht, für diesen Anlass die rechten Worte vorzubereiten. Zu unterschiedlich haben die Hinterbliebenen das Sterben ihrer Lieben erlebt. Die Einen haben den erlösenden Aspekt nach langer Krankheit wahrgenommen, bei den anderen sind die Eindrücke des Kampfes um das Leben noch im Vordergrund. Gemeinsam aber ist allen: Man ist empfindsam und verletzlich durch den Verlust. Man wusste schon lange vorher, dass das Hospiz die letzte Station sein würde. Hierhin kommen diejenigen, denen die Medizin nicht mehr helfen kann – die ihre letzten Tage in Würde mit professioneller Hilfe zur Entlastung der eigenen Angehörigen mit einem Höchstmaß an palliativmedizinischen Möglichkeiten verbringen möchten. Und trotzdem ist der Schmerz der Hinterbliebenen nicht geringer. Auf die Wucht der Gefühle als Reaktion auf das Unumkehrbare kann sich keiner vorbereiten. Martin Birkhäuser und Matthias Heinen haben das im Blick. „Alles hat seine Zeit“, erinnert Matthias Heinen in seiner Ansprache aus dem Buch Prediger, ergänzt durch die Geschichte der jungen Frau, die Jesus laut dem Matthäusevangelium für alle sichtbar zum Leben erweckt haben soll. Das schürt Hoffnung. Ist der geliebte Mensch womöglich doch nicht für alle Ewigkeit fortgerissen aus dem Kreis derer, die ihn zu Lebzeiten umgeben haben?

Erinnern tut gut - Erinnern tut weh

Doch der Trost durch Worte ist begrenzt. Manchmal braucht es symbolische Handlungen. Deshalb lädt Hospizleiterin Sr. Monika von Müller ein, eine Kerze inmitten eines Blütenteppichs vor dem Altar anzuzünden. Das Lichtelement rückt in den Vordergrund – die Blüten erinnern an das „blühende Leben“. Gemeinsam mit Kollegin Sr. Gabi geht sie voran gefolgt von den Gästen, die das Angebot gerne wahrnehmen. Einige Minuten später trifft sich die Gedenkgemeinde im Hospiz.

Nach dem „Trotz-dem!“ kommt die Akzeptanz

Die hochqualifizierten Mitarbeitenden der verschiedensten medizinisch-pflegerischer-sozialen Disziplinen im Hospiz müssen hier im Haus mehr als in Pflegebereichen anderswo zusätzlich die Angehörigen der Bewohner, sowie die seelischen Aspekte der Menschen berücksichtigen. Mitarbeitende in Hospizen brauchen Fähigkeiten, die man - wenn überhaupt - nicht so leicht lernen kann. Im stationären St.-Katharinen-Hospiz sind es mit Leiterin Sr. Monika von Müller neben den Hauptamtlichen die Ehrenamtlichen, die treu und zuverlässig helfen, die Tage der Bewohner auf Wunsch ganz individuell zu verschönern. „Ob gemeinsam kochen, etwas vorlesen, kleine Einkäufe machen oder einfach nur still da sein – das sind alles unglaublich wertvolle Dienste“, so Sr. Monika von Müller.

Zum heutigen Gedenktag für die Angehörigen Verstorbener haben wieder alle kräftig mit angepackt. Kaffee, Getränke sowie ein herzhaftes Buffet in einem Ambiente, das ein Gefühl von Familie und „zuhause sein“ vermittelt, hat das Team vorbereitet. Zuhause sein dort, wo jeden Tag der Tod lauert? Ja, tatsächlich: Hier geht es zu, wie auf einer Geburtstagsfeier. Die Trauernden verwandeln sich in Menschen, die gemeinsam lachen, essen, trinken, aufräumen, Geschirr spülen – einfach gesellig sind. Eine natürliche Symbiose: Sterben, Leben, Kommen und Gehen ist sichtbare Realität. Wo eben noch die Traurigkeit die Oberhand hatte, ist jetzt die Fröhlichkeit einfach wieder herein gebrochen – ganz ohne zu fragen.

Künstlerischer Feinschliff für junge Musiker

Dass zum Menschsein offenbar die Künste dazu gehören, weil es die Seele in einer Form aufschließt, wie es sonst kaum möglich ist, haben die Schwestern und Pfleger im Haus längst erkannt. Bereits seit über zehn Jahren unterhält das stationäre Hospiz eine Kooperation mit dem Verein „Live Music Now Köln“ unter dem Vorsitz von Ludgera Frfr. v. Eltz-Rübenach. „Ziel ist, gemäß der Idee des Projektgründers Yehudi Menuhin, junge Musiker an ungewöhnlichen Orten konzertieren zu lassen, um deren künstlerische Reife zu fördern“, erklärt v. Eltz-Rübenach. Gleichzeitig soll die klassische Musik mit den Benefizkonzerten zu Menschen in schwierigen Lebenssituationen gebracht werden. „Musik heilt, gibt Trost und Inspiration“, lautete Menuhins Ansicht, die sich seit 1977 bei zahlreichen Veranstaltungen bestätigt hat.

Im stationären Hospiz sind es diesmal die beiden Stipendiatinnen Cornelia Brise (27) und Magdalena Wolf (24), die als „Duo Suono“ mit Violoncelli auftreten. Eine interessante Auswahl an barocken wie moderneren Stücken haben die jungen Künstlerinnen getroffen, die gerade aufstrebend mitten im Leben stehen. Und doch haben sie sich in den Hospiz-Kontext gewagt. Hingebungsvoll tauchen die beiden jetzt ein in die Klänge, die sie selbst unter erheblichem Körpereinsatz verursachen. Sie wollen die Musik zu denen zu bringen, die nicht selbst ins Konzert gehen können. Faszinierend ist: Obgleich die klassische Musik längst nicht mehr jede Hörgewohnheit trifft, ist doch jeder gefesselt. Das hohe Ordnungsniveau im Spiel der Töne lässt vielleicht ahnen oder zumindest hoffen, dass es auch auf anderen Ebenen ein Ordnungsniveau geben mag, das dem Kreislauf von Leben und Sterben mit all seinen freudevollen wie schmerzhaften Facetten einen ganz besonderen Sinn gibt.

Information:

Stationäres St.-Katharinen-Hospiz Frechen

www.st.-katharinen-hospiz.de

Yehudi Menuhin - Live Music Now - Köln e.V.

www.livemusicnow-koeln.de

4647/4648: Cornelia Brise und Magdalena Wolf gaben als „Duo Suono“ ein Konzert mit Violoncelli.

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